Tipps und Infos rund um die kleinen Holder-Schlepper
Neueinsteiger und solche, die es werden wollen, erhalten im folgenden eine Typenberatung in Sachen Holder-Schlepper, mit der man sich in den unterschiedlichen Modellreihen besser zurechtfindet und nützliche Tipps bei der Auswahl des "Richtigen" bekommt. Vorab gesagt: Um die beschriebenen Holder-Schlepper zu reparieren bedarf es keiner Mechanikerausbildung, aber mit zwei linken Händen ist natürlich nicht viel auszurichten. Handwerkliches Geschick sollte vorhanden sein, und an einer Grundausstattung mit Standardwerkzeugen führt auch kein Weg vorbei. Wenn dann noch Schweißkenntnisse bzw. entsprechende Möglichkeiten vorhanden sind, wird das Werk schon gelingen.
Einige Fragen sind im Vorfeld zu klären: Was will ich mit dem Schlepper? Soll er ein "Spielzeug" sein, also nur zum Spaß bewegt werden? Wird er top restauriert, oder soll das Gerät mit sichtbaren Gebrauchsspuren noch als Arbeitstier eingesetzt werden? Die Antwort kann die Auswahl unter den Holder-Modellen schon einschränken.
Sinnvoll erscheint auch eine Unterscheidung nach Baureihen:
E - Einachsschlepper
B - Standardschlepper mit Achsschenkellenkung
A - Allradschlepper mit Knicklenkung
Neben den technischen Besonderheiten hinsichtlich Konstruktion und Funktion spielt bei der Anschaffung sicher auch der Preis eine Rolle. Die weit verbreiteten Einachser sind günstiger zu bekommen als ein B-Schlepper oder gar ein Knickschlepper. Hinzu kommt, dass beispielsweise die Knickschlepper wegen der großen Nachfrage faktisch kaum zu finden sind, obwohl sie auf Internet-Verkaufsplattformen und in landwirtschaftlichen Zeitschriften gelegentlich noch angeboten werden.
Einachser
Wer sich für einen Einachser interessiert, dem rate ich zu einem der folgenden Modelle: E-8-Diesel, ED 10, ED 11 oder E11, E 12 bzw. E14. Was das Getriebe betrifft, sind E 11, E 12 und E 14 baugleich, Unterschiede bestehen jedoch bei den Motoren:
E 11 - wassergekühlter 500 cm3-Sachs-Motor mit 10 PS
E 12 - luftgekühlter 600 cm3-Sachs-Motor mit 12 PS
E 14 - wassergekühlter 500 cm3-Holder-HDI-Motor mit 14 PS
Gemeinsam ist diesen Schleppern das Sechsgang-Getriebe, wobei sich der als Kriechgang ausgelegte 1. Gang hervorragend für Fräsarbeiten eignet. Bei den Benzin-Einachsern EB-EF, E 5, E 6 und E 8 ist Vorsicht geboten: Sie laufen aufgrund von Vergaserproblemen oft nicht sauber, und Vergaser-Ersatzteile gibt es so gut wie gar nicht mehr. Auch der Startvorgang gerät hier, anders als bei den Diesel-Einachsern, oft zur langwierigen Prozedur. Sollte ein Einachser-Einsatz mit Anhänger geplant sein, kann unter www.holderfreunde.de nachgelesen werden, welche speziellen TÜV-Bestimmungen zu beachten sind.
Die B-Schlepper
Bei den B-Schleppern handelt es sich um den B 10 ( mit kleiner und großer Haube ) sowie die Modelle B 12, B 16, B 25, Park 50 und Park 60. Beim B 10 geben die Folgebuchstaben A, B und D lediglich Hinweise auf die Spurweite und die Reifengröße: Den B 10A gibt es mit 750 bzw. 1000mm Spurbreite und einer Reifengröße von 6x24. Beim B 10B beträgt die Spurweite 1000 oder 1200mm und die Reifengröße 6x24. Der B 10D schließlich hat eine Spurweite von 1000 oder 1250mm und eine Reifengröße von 7x24. Hierbei ist zu beachten, dass Reifen der Größe 6x24 und 7x24 nicht mehr erhältlich sind - der TÜV hat jedoch bei 8x24 keine Einwände.
Die beiden B 10 mit dem wassergekühlten 500 cm3-Sachs-Zweitakt-Diesel-Motor sind bis auf Motorhaube und Kotflügel nahezu baugleich. Der anfangs verwendete Original-Holder-Motor wurde aus Kapazitätsgründen später von Sachs in Lizenz gefertigt. Die ersten Exemplare des von 1952 bis 1957 gebauten B 10 hatten keinen Anlasser und mussten noch angekurbelt werden. Interessant ist, dass die Bremse beim B 10 auf alle vier Räder wirkt. Das von den Einachsertypen ED 11 bzw. ED 10 übernommene Getriebe wurde lediglich mit breiteren Achstrichtern versehen.
Als grundlegend neu konzipierter Schlepper kam 1958 der B 12 auf den Markt. Auch von diesem Schlepper, der mit einem luftgekühlten 600 cm3-Sachs-Motor und Sechsgang-Getriebe ( je vier Gänge in der Acker- und Strassengruppe ) ausgestattet ist, entstanden mehrere Versionen. Wie gehabt geben die Folgebuchstaben A, B, C, D oder E in der Typenbezeichnung einen Hinweis auf die jeweilige Spurweite und Reifengröße:
| TYP | SPURWEITE (mm) | REIFENGRÖßE |
| B 12 A | 750 od. 1000 | 6x24 |
| B 12 B | 1000 od. 1250 | 6x24 |
| B 12 C | 750 od. 1000 | 7x24 |
| B 12 D | 1000 od. 1250 | 7x24 |
| B 12 E | 1000 od. 1250 | 8x24 |
Die Typen B 10 und B 12 sind robuste, einfach aufgebaute Maschinen und können mit geringem Aufwand instand gehalten werden; die Teile-verfügbarkeit für den Motor ist gut. Beim Getriebe muss man aufpassen: Durch Überbelastung ist es beim B 12 schon zu Schäden am Tellerkegelrad gekommen. Besonders gesucht sind B 12, die mit einer Hydraulik ausgestattet sind. Passende Anbaugeräte sind in der Schlepper-Post bzw. unter www.holderfreunde.de immer noch zu finden. Im übrigen macht es ausgesprochen Spaß, mit diesen äußerst wendigen Kleinschleppern zu fahren, zu spielen oder auch mal zu arbeiten...
Bei Sammlern besonders begehrt sind B 10 und B 12 mit 750 und 1000 mm Spurweite. Die Besonderheit dieser Schmalspurschlepper, die ursprünglich für den Hopfenanbau und Sonderkulturen entwickelt wurden, sind extrem kurze Achstrichter und eine schmale Vorderachse. Beim nächsten Modell, dem B 16, handelt es sich um einen aus A 15-Teilen zusammengebauten Standardschlepper. Das er von einem Einzylinder-Zweitakt-Dieselmotor aus Holder-Fertigung angetrieben wird merkt man meist erst bei näherem Hinsehen. Durch den Einbau eines 18 PS-Hatz-Viertakt-Dieselmotors wurde der B 16 zum B 18. Als Abnehmer für diese extrem schmalen und klein gehaltenen Schlepper hatte Holder Gärtnereien, Kommunen und Hausverwaltungen im Visier. Die Nachfolge des B 12 sollte eigentlich der B25 antreten, doch konnte er diesem Anspruch nicht wirklich gerecht werden - sein Zweizylinder-Zweitakt-Motor und das Fehlen einer unabhängigen Zapfwelle standen einem durchschlagenden Erfolg wohl doch im Wege.
Als Schmalspurversion des B 25 kann der P 50 mit kleineren Rädern angesprochen werden. Durch den Einbau eines Zweizylinder-Viertakt-Motors wurde daraus der P 60 - der sich, nicht zuletzt dank seiner drei Anbauräume für Geräte ( Front, Mitte, Heck ) als universelles Arbeitsgerät für den kommunalen Einsatz anbot.
Die A-Schlepper
Wenn von den A-Typen die Rede ist, sind damit im einzelnen folgende Modelle gemeint: A 8, A 10, A 12, A 15, A 18, AM 2, AG 3, A 20 und A 21S. Für den Einsteiger empfehlenswert sind die Typen A 10, A 12, A 15 und A 18, wobei hier auch der Preis eine Rolle spielt. Am häufigsten angeboten werden A 12 und A 15. Die Typen A 10 und A 12 unterscheiden sich nur in der Motorhaube: Während beim A 10 ein Sechsgang-Getriebe mit einem wassergekühlten 10 PS-Sachs-Motor kombiniert ist, kommt beim A 12 das gleiche Getriebe in Verbindung mit einem luftgekühlten 12 PS-Sachs-Motor zum Einsatz. Spätere A12 wurden mit einem Neungang-Getriebe ausgerüstet.
Beim Kauf eines A-Typs verdient das Knickgelenk besondere Aufmerksamkeit: Durch Anheben des Motors lässt sich leicht prüfen, ob die Lagerung ausgeschlagen ist. Hängt der Motor vorne aus der Waagerechten herunter, sind mit Sicherheit die Silentblöcke ( Gummimetall-Lager ) ausgeschlagen. Auch die Gelenkwellen sollten einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden - oft sind sie altersbedingt in den Nuten ausgeschlagen, was im Leerlauf zu Klappergeräuschen führt. Es gibt Firmen die diese Wellen nachfertigen, sie sind aber sehr teuer.
Abschließend noch einige wichtige Details zu den Zweitaktern: Bei Arbeiten am Motor und insbesondere an der Ölversorgung ist mit größter Sorgfalt auf eine korrekte Entlüftung der Ölpumpe zu achten, und zwar von der Ölpumpe zu den Hauptlagern der Kurbelwelle. Wenn man hier nachlässig arbeitet, können schon beim Probelauf kapitale Motorschäden auftreten. In der Regel läuft die obere Pleuelbüchse aus, und auch der Kolben kann "fressen". Hintergrund ist, dass wir es hier nicht mit einer Druckumlauf-Schmierung sondern mit einer Schleuderölschmierung zu tun haben - d.h. die Ölpumpe gibt nach 30 Motorumdrehungen den ersten kleinen Ölhub ab. Wenn zu diesem Zeitpunkt noch Luft im System ist, kann ganz schnell alles "zu spät" sein.
Dieser Bericht wurde auch in der Schlepper-Post, Ausgabe 5/2007, veröffentlicht!